Findest du es nicht ein wenig ungerecht, alle Ärzte für das verantwortlich zu machen bzw. jene danach zu bewerten, was andere Ärzte tun? Ich möchte auch nicht für das verantwortlich gemacht und bewertet werden, was andere Menschen mit der selben Religion, Nationalität oder (in Zukunft) gleichem Beruf tun. Gerade weil viele Leute auch Ärzte werden, weil sie Menschen helfen wollen. Natürlich ist nicht zu bestreiten, dass es Ärzte gibt, denen man sofort die Lizenz entziehen sollte, aber wir haben zum Glück immer nur gute Erfahrungen mit unseren Ärzten gemacht. (außer einer Zahnärztin, die TOTAL unorganisiert war, aber das ist ein anderes Thema...)
Mein Arzt hat sich zum Beispiel immer dagegen gewährt, das mir die Mandeln raus genommen werden. Generell verschreibt dieser Arzt nur ungern zu starke Medikamente und Antibiotika, weil man sonst dem Körper nicht die Möglichkeit gibt, sich selbst zu heilen (wozu er durchaus in der Lage ist...). Jene beiden Ärzte hätten von der Beschneidung meines Bruders ohnehin nicht profitiert, weil von Anfang an klar war, dass wir das in der Türkei machen wollten. Da hätten sie sich genauso gut dagegen stellen können. Wichtig ist eben, dass es ein richtiger Arzt macht und nicht irgend so ein selbst ernannter Guru mit einer rostigen Schere.
Ich weiß, dass Frauen aus Zentralafrika (teilweise) sehr stolz darauf sind, beschnitten zu sein, weil das dort als Merkmal für eine "ehrbare" Frau gesehen wird und weil gerade in der ländlichen Bevölkerung der Aberglaube vorherrscht, dass die Klitoris immer größer und größer wird, bis sie zum Penis geworden ist oder dass jene giftig ist und dem Sexualpartner (=Ehemann), als auch den Kindern, wenn sie entbunden werden, Schaden zufügt.
Auch wird es in einigen Gesellschaften gezielt so gemacht, dass man keine Freude beim Sexualleben empfindet, weil dies als "unehrenhaft" gilt. Eine Frau soll gefälligst keinen Spaß an ihrem Trieb haben. Lieber Schmerzen, als Lust. Oder Mädchen werden besonders früh beschnitten (mit 4-12 Jahren), damit sie niemals auf die Idee kommen sich selbst zu befriedigen. Der Schmerz ist somit ein Schutz für die Frau.
Wie gesagt, ist das in Zentralafrika der Fall. In Nordafrika (Ägypten etc.) werden, soweit ich weiß, hauptsächlich die Beschneidungstypen 1 und 2 durchgeführt.
Bei der männl. Beschneidung kann der Mann evtl. beeinträchtigt sein, aber eine beschnittene Frau kann eventuell ihr Leben lang keinen Orgasmus mehr bekommen. Das einzige, was man mit moderner Medizin dann vlt. noch tun kann, ist es ihr die Schmerzen zu nehmen. Beim Mann kann es gut begründete, medizinische Gründe für eine Beschneidung geben, aber bei Frauen ist mir so Etwas nicht bekannt.
Auch ist anzumerken, dass in Afrika irgendwo in der Wüste oder Steppe, solche "Operationen" meist mit einem weniger geeigneten Werkzeug durchgeführt werden, spricht Glasscherben, spitzen Steinen u.Ä.
Deinen angeführten Koranvers sehe ich nicht wirklich als Argument gegen Beschneidung. Mir ist generell kein Vers in Erinnerung, der sich überhaupt zur Beschneidung, ob beim Mann oder bei der Frau, äußert. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege.
Generell ist natürlich zu sagen, dass wir nicht so erschaffen wären, wie wir nun mal sind, wenn es da Veränderungsbedarf gäbe. Aber gerade die Debatte um Beschneidung bei Männern in Deutschland ist scheinheilig und hat weniger mit Kindeswohl, dafür aber mehr mit der "Angst" vor fremden Bräuchen zu tun.
Ach ja: Bei Mandelentzündungen beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine Nachblutung bei 1-6%! Da laufe ich lieber auf ewig mit entzündeten Mandeln rum. ;P